Feldpostkarte an Herrn Paul Drey Ackerer in Niederlauterbach Kreiss Weissenburg

geschrieben den 12.1.1915 (carte postale écrite six jours avant la bataille fatale).

Liebe Eltern und Geschwister !

Euere Karten vom 2. und 3. habe ich erhalten und bis jetzt 5 Packete. Von der Mathern Marie habe ich ein Paket Brötchen bekommen die hatten mir gut geschmeckt. Wenn Ihr könnt schickt mir nur Schnaps. Wir sind jetzt wieder vom Schützengraben zurückgekommen in das Dorf. Aber ein Bett wie Ihr vielleicht meint haben wir nicht, wir liegen auf Stroh. Kalt haben wir doch nicht. Wir haben eine gute Decke. Das Schulhaus ist unser Quartier. Wir haben diese Woche wieder Leibesgaben bekommen, eine Pfeife, Zigaretten, Honigkuchen und ein gutes Hemd. Bin noch gesund.

es grüsst Euch Euer Sohn Johann.

Wesel den 11.12.14

Liebe Eltern und Geschwister

Euere Karte vom 28. habe ich gestern erhalten. Aber Paket habe ich noch nicht, schreibt mir, ob es wieder zurückgekommen ist. Bei uns haben schon viele Paketen bekommen, sowie Georg Schwarz aber die meisten haben es mit der Bahn bekommen als Eilgut. Wenn Ihr ein Paket schickt so vergisst nur den Taback nicht. Ein Unterfrack kauf ich mir hier. Sie sind besser gemacht für uns. Wir hatten diese Woche 7 Mark bekommen für Putzgeld. Zu putzen haben wir noch nicht so viel wir haben noch unsere alten Röcke. Koggel und Seitengewehr haben wir noch nicht. Geschossen haben wir jetzt im Ganzen 13 Schuss. Der Michel und Fritz haben mir auch geschrieben. Leo Herbein und Ludwig Weigel werden jetzt zu Hause sein. Wir sind Mittags ausgerückt und als wir Abends heimkamen waren sir fort. Hat es auch viele Kartoffel gegeben ? Es wird euch jedenfalls schwer fallen die Äcker alle einzusäen. Macht nicht mehr als Ihr könnt. Wenn ich wieder heimkomm wird alles anders werden.

Es grüsst Euch von Herzen Euer Sohn Johann.

Gruss an Johann Erhard und Verwandten.

Friedrichsfeld, den 25.11.14

Feldpostkarte an Herrn Paul DREY, Niederlauterbach, Unter ElsassImage

Liebe Eltern und Geschwister,

Endlich ist die Stunde doch gekommen da wir fort müssen. Heute Mittag um halb drei marschieren wir ab an den Bahnhof aber wo es hingeht wissen wir nicht. Grüsst nochmal alle meine Verwandten, Bekannten und Kameraden. Die letzten Grüsse aus Friedrichsfeld an Euch sendet euer Sohn Johann.

Trois mois avant la bataille d’Ostrow

Wesel, den 28.10.14

Liebe Eltern und Geschwister,

Ich will euch zu wissen thun dass wir von unserem alten Quartier in die Kaserne gekommen sind wo der Schwarz Georg gelegen hat. Er hat mir gesagt, dass sie am Montag fortkommen aber wohin ist ihnen unbekannt. Wir sind wahrscheinlich auch am längsten hier gewesen. Macht euch nur nicht so viele Sorgen. Ich hab noch viele Kameraden sogar Männer mit ein paar Kinder. Ich glaub bei diesen ist es härter noch als bei mir. Wenn es Gottes Wille ist wird doch der Krieg nicht so lange dauern dass wir wieder einander die Hand reichen können. Es hat mir bis jetzt noch keine Stunde was gefehlt. Wir haben zufällig viel Regenwetter. Wenn’s regnet bleiben wir immer zurück im Quartier. Sonst haben wir im ganzen mehr Dienst wie anfangs. Um 9 Uhr geht’s ins Bett und moegesn um halb sechs stehen wir auf. Ich geh noch immer so viel wie möglich abends in die Kirche. Hier in Wesel müssen viel Katholiken sein. Die Kirche ist abends immer voll Leute. Weiteres weiss ich jetzt nicht mehr zu schreiben.

Es grüsst euch von Herzen Euer Sohn Johann. 

En français : chers parents et frères et soeur, je veux vous faire savoir que nous sommes massées de notre ancien quartier à la caserne où était basé Schwartz Georges. Il m’a dit que lundi ils vont partir, mais ils ne savent pas où. Nous non plus n’allons certainement pas rester longtemps ici. Mais ne vous faites surtout pas beaucoup de soucis. J’ai encore beaucoup de camarades, et même des hommes qui ont plusieurs enfants. Je pense que pour eux c’est encore plus dur que pour moi. Si c’est la volonté de Dieu, cette guerre ne va pas durer trop longtemps, afin que nous puissions de nouveau nous tenir par la main. Jusque là, pas une seule heure je n’ai manqué de rien. Nous avons en ce moment un temps très pluvieux. Lorsqu’il pleut nous restons toujours à l’abri au quartier. A part cela, nous avons globalement plus d’activité qu’au début. Nous allons au lit à 9 heures et le matin à six heures et demie nous nous levons. Je vais encore aussi souvent que possible à l’église le soir. Ici à Wesel il y a sûrement beaucoup de catholiques. L’église est tous les soirs pleine de monde. Je ne vois plus d’autre chose à vous écrire.

Salutations très cordiales de votre fils Johann (Jean).